digital diary by Susanne Busshart
Arbeitsplatz der Zukunft, Trends

Die Trends der Arbeitswelt 2027 – behind the scenes

Warum es diesmal sieben sind

Behind the Scenes beim Schreiben meiner Future Work Trends

Es ist wieder diese Zeit im Jahr.

Ich schreibe an den Future Work Trends. Wie jedes Jahr schaue ich auf die Arbeitswelt, auf Räume, Technologien, Menschen, Unternehmen und auf die kleinen Veränderungen, die zunächst vielleicht unscheinbar wirken – und plötzlich viel größer werden können.

Normalerweise beginnt dieser Prozess mit einer großen Sammlung. Artikel, Studien, Gespräche, Projektbeobachtungen, Konferenzen, LinkedIn-Posts, Reisen, Kundenprojekte, eigene Gedanken. Es gibt immer viele Themen. Eigentlich zu viele.

KI. Nachhaltigkeit. Fachkräftemangel. Flexible Arbeit. Leadership. Büroflächen. Gesundheit. Generationen. Neurodiversität. Daten. Klima. Lernen. Vertrauen.

Alles wichtig. Alles richtig.

Was ist in diesem Jahr anders?

Und trotzdem hatte ich in diesem Jahr relativ früh das Gefühl: Wir dürfen nicht einfach wieder zehn Überschriften suchen, nur weil zehn Trends schön rund klingen.

Denn vielleicht passiert gerade so viel gleichzeitig, dass schnelle Trendlisten nicht mehr ausreichen. Vielleicht brauchen wir weniger Punkte – und dafür mehr Tiefe, mehr Haltung und mehr Mut, die richtigen Fragen zu stellen.

Darum werden es diesmal sieben Trends.

Nicht, weil weniger passiert. Sondern weil es keinen Sinn ergibt, Themen künstlich aufzublasen oder Bekanntes neu zu etikettieren. Wir brauchen nicht noch einmal die Überschrift „KI verändert die Arbeit“. Das wissen wir inzwischen. Die spannendere Frage ist: Was verändert KI ganz konkret?

Und das ist ein großes Thema – oder mehrere

Was passiert zum Beispiel, wenn KI gerade die Aufgaben übernimmt, über die junge Menschen bisher gelernt haben, wie Arbeit funktioniert? Wenn die erste Recherche, die erste Präsentation, die erste Auswertung oder der erste Textentwurf plötzlich in wenigen Minuten entsteht – wo entstehen dann Erfahrung, Urteilskraft und fachliche Sicherheit?

Oder was passiert, wenn KI nicht mehr nur ein Tool ist, das wir fragen, sondern zu einer Art digitalem Kollegen wird? Ein Kollege, der keine Pause macht, nie krank ist und keinen Feierabend kennt. Wer entscheidet dann? Wer prüft? Wer trägt Verantwortung? Und was bleibt menschliche Arbeit?

Next Level Nachhaltigkeit

Auch beim Thema Nachhaltigkeit spüre ich gerade eine Veränderung. Wir haben lange über CO₂, Kreislaufwirtschaft, Materialien und Zertifikate gesprochen. Aber der Sommer hat viele Dinge konkreter gemacht. Hitze, Wasser, trockene Böden, schlechte Luft und die Frage, ob Gebäude bei veränderten Bedingungen überhaupt noch gute Arbeitsorte sind.

Nachhaltigkeit sitzt plötzlich mit am Schreibtisch.

Vielleicht ist es genau das, was die neue Ausgabe ausmachen wird: 

Es geht nicht um Trends, die irgendwo am Horizont erscheinen. Es geht um Entwicklungen, die längst im Alltag angekommen sind – manchmal leise, manchmal unbequem und manchmal so selbstverständlich, dass wir sie noch gar nicht als Veränderung erkannt haben.

Ich denke dabei oft an ein Bild, das mir in den letzten Wochen immer wieder begegnet ist: Wir sitzen in einer Kutsche und überlegen, wie wir sie noch bequemer machen können. Brauchen wir weichere Sitze? Schönere Vorhänge? Eine bessere Federung?

Während wir diskutieren, steht das Automobil schon um die Ecke.

Arbeitsplätze zum Verlieben

Natürlich sollen Arbeitsplätze schön, gesund, nachhaltig und funktional sein. Natürlich brauchen wir gute Möbel, gute Räume, flexible Arbeitsmodelle und passende Technologie. Aber vielleicht reicht es nicht mehr, nur das Bestehende besser zu machen. Vielleicht müssen wir auch hinterfragen, ob wir noch über die richtigen Dinge sprechen.

Das Büro ist dafür ein gutes Beispiel.

Es ist längst nicht mehr nur der Ort, an dem Menschen an einem festen Schreibtisch sitzen. Es kann Lernwerkstatt sein. Ort für Erfahrungsaustausch. Rückzugsraum. Treffpunkt. Datenquelle. Klimaschutzaufgabe. Identitätsort. Oder eben auch ein Gebäude, das mit den Anforderungen seiner Zeit nicht mehr mithalten kann.

Völlig fehl am Platz: Diskussionen über Möbel

Und genau deshalb spielt das Thema Räume in den neuen Trends eine große Rolle. Nicht als Einrichtungsfrage. Sondern als Frage von Kultur, Gesundheit, Technologie, Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit.

Ich werde über Bestandsgebäude schreiben. Über Räume, die klüger werden und plötzlich sehr viel über ihre Nutzung wissen. Über Ruhe als neue Luxuswährung. Über das Wissen, das mit erfahrenen Mitarbeitenden in Rente geht. Und über die Frage, wie wir Arbeitsorte schaffen, an denen Menschen nicht nur effizient funktionieren, sondern gut arbeiten, lernen und sich entwickeln können.

Sieben Trends also.

Sieben Fundstücke aus einer Arbeitswelt, die sich gerade verändert.

Und vielleicht ist das in diesem Jahr die wichtigste Haltung: Nicht alles, was laut ist, wird wichtig. Und nicht alles, was wichtig wird, ist am Anfang laut.

Die sieben Future Work Trends werden deshalb nicht versuchen, die Zukunft vollständig vorherzusagen. Sie sollen genauer hinschauen. Sie sollen Fragen stellen. Sie sollen Reibung erzeugen.

Und sie sollen uns dabei helfen, nicht nur die Kutsche bequemer zu machen.

Sondern endlich über das Automobil zu sprechen.

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