Zwei Tage in Köln, viele Begegnungen und neue Inspirationen. Warum die Zukunft unserer Arbeitswelten nicht beim Möbel beginnt – und weshalb wir Arbeit grundsätzlicher denken müssen.
Die ORGATEC 2026 liegt hinter mir. Zwei intensive Tage in Köln, viele Eindrücke, inspirierende Gespräche und zahlreiche Begegnungen mit Menschen, die unsere Branche bewegen.
Die Messe war in diesem Jahr deutlich kleiner als in den vergangenen Jahren und entsprechend weniger voll. Das hat die Atmosphäre verändert. Es war ruhiger, an manchen Stellen vielleicht auch weniger spektakulär als gewohnt. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – waren es für mich zwei ausgesprochen lohnende Tage.
Denn eine Messe lebt nicht allein von ihrer Größe, der Anzahl der Aussteller oder den neuesten Produktpräsentationen. Sie lebt von den Menschen, die dort zusammenkommen, von den Ideen, die entstehen, und von den Gesprächen, die manchmal weit über den eigentlichen Messebesuch hinausreichen.
Und genau davon habe ich in diesem Jahr besonders viel mitgenommen.
Eine Messe voller Begegnungen – und ein schönes Gefühl von Verbundenheit
Was mich besonders gefreut hat, war die Erfahrung, inzwischen so viele Menschen in unserer Branche zu kennen. An vielen Ständen wurde ich herzlich empfangen, überall gab es bekannte Gesichter und die Möglichkeit, direkt an frühere Gespräche anzuknüpfen.
Die Herzlichkeit, mit der mich viele Hersteller und Geschäftspartner begrüßt haben, ist mir besonders positiv in Erinnerung geblieben. Aus geschäftlichen Kontakten sind über die Jahre Beziehungen entstanden, die von Vertrauen, Wertschätzung und gegenseitigem Interesse geprägt sind. Das ist für mich ein ganz wesentlicher Teil unserer Branche.
Ich konnte viele Geschäftspartner treffen, mich intensiv austauschen und Gespräche führen, für die im normalen Tagesgeschäft häufig zu wenig Zeit bleibt. Dabei ging es nicht nur um Produkte, Kollektionen oder aktuelle Entwicklungen. Vielmehr haben wir gemeinsam über die Zukunft nachgedacht, Perspektiven ausgetauscht und konkrete Strategien entwickelt.
Das hat mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll ein gutes Netzwerk ist – und wie viel entstehen kann, wenn Menschen offen miteinander sprechen und bereit sind, gemeinsam nach vorne zu schauen.
Gestaltung: Farbe, Atmosphäre und neue Impulse
Auch gestalterisch habe ich einige Eindrücke mitgenommen. Besonders aufgefallen ist mir die Farbwelt, die sich an verschiedenen Stellen der Messe gezeigt hat: viel Rot und dazu zarte, zurückhaltende Grüntöne.
Ich fand diese Kombination spannend. Rot bringt Energie, Präsenz und Ausdruck in den Raum. Die sanften Grüntöne wirken dagegen ruhig, natürlich und ausgleichend. Zusammen entsteht eine Farbigkeit, die durchaus mutig ist, ohne laut zu werden.
Solche Beobachtungen sind für mich mehr als reine Geschmacksfragen. Farben, Materialien, Licht und Akustik beeinflussen, wie wir Räume wahrnehmen und wie wir uns in ihnen fühlen. Sie prägen die Atmosphäre und damit auch die Qualität eines Arbeitsplatzes.
Dabei geht es nicht darum, jeder gestalterischen Strömung hinterherzulaufen. Entscheidend ist, wie Gestaltung auf Menschen wirkt und welche Funktion sie im jeweiligen Kontext erfüllt. Ein Arbeitsplatz sollte nicht nur gut aussehen, sondern eine Atmosphäre schaffen, in der unterschiedliche Formen des Arbeitens möglich sind.
Die Messe hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, mit offenen Augen durch die Ausstellungen zu gehen und sich auch von Details inspirieren zu lassen.
Work Culture Festival: Arbeit neu denken
Ein besonderer Programmpunkt für mich war das Work Culture Festival. Hier ging es nicht allein um Gestaltung und Einrichtung, sondern um die Frage, wie sich unsere Arbeitskultur verändert und welche Anforderungen daraus für die Arbeitswelten von morgen entstehen.
Die Impulse dort waren für mich eine wertvolle Ergänzung zu den klassischen Messeausstellungen. Sie haben den Blick über das einzelne Produkt hinaus auf die Menschen, die Kultur und die Organisation gelenkt. Persönlich war ich Mega stolz, dass wir bei unserem KI Kongress vor wenigen Tagen weiter vorne waren und innovative die Dinge gesehen haben als zahlreiche Speaker hier. Das bestärkt mich sehr in meinem Weg.
Denn die entscheidende Frage lautet längst nicht mehr nur: Wie soll ein Büro aussehen? Viel wichtiger ist: Wie wollen und müssen wir künftig arbeiten? Was brauchen Menschen, um gute Arbeit leisten zu können? Und welche Rolle spielen dabei persönliche Begegnung, Technologie, Lernen und Konzentration?
Diese Fragen beschäftigen mich nicht erst seit der Messe. In meinen gerade veröffentlichten Future Work Trends 2027 habe ich sieben Entwicklungen beschrieben, die aus meiner Sicht die Arbeitswelt in den kommenden Jahren prägen werden. Diese waren zum Teil auch Inhalt meines Vortrags im Rahmen der letzten Konferenz. In Köln haben sich viele dieser Gedanken für mich erneut als relevant erwiesen.
Sieben Zukunftsthemen – und was sie für Arbeitswelten bedeuten
1. Die verlorenen Lehrjahre: Das Büro als Lernwerkstatt
Wenn künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernimmt, die früher Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern den Einstieg in die Praxis ermöglicht haben, stellt sich eine grundlegende Frage: Wo und wie lernen die Fachkräfte von morgen?
Erfahrung entsteht nicht allein durch Informationen. Sie entsteht durch Beobachtung, Zusammenarbeit, Fehler, Rückfragen und den Austausch mit erfahrenen Menschen.
Das Büro kann hier eine wichtige Rolle übernehmen: als Ort, an dem Wissen geteilt wird, Mentoring stattfindet und unterschiedliche Generationen voneinander lernen. Damit bekommt die persönliche Begegnung eine neue Bedeutung.
2. Der neue Kollege hat keinen Feierabend: Zusammenarbeit mit KI
KI verändert nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Arbeitsabläufe. Digitale Agenten können Aufgaben übernehmen, Informationen zusammenführen und Prozesse unterstützen.
Damit entstehen neue Fragen der Verantwortung und Zusammenarbeit. Was darf eine KI eigenständig entscheiden? Wo braucht es menschliches Urteilsvermögen? Und wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Menschen, wenn immer mehr Arbeit digital im Hintergrund stattfindet?
Je stärker Technologie Aufgaben übernimmt, desto wichtiger werden reale Orte für Austausch, Vertrauen, Konfliktklärung und gemeinsame Entscheidungen.
3. Wenn der Sommer Arbeit macht: Klima wird zur Arbeitsplatzfrage
Temperatur, Luftqualität, Verschattung und Begrünung sind keine nebensächlichen Komfortthemen. Sie beeinflussen Konzentration, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Die Klimaveränderung macht deutlich, dass Arbeitsfähigkeit künftig auch davon abhängt, wie gut Gebäude und Arbeitsplätze mit veränderten Umweltbedingungen umgehen können.
Das verändert die Anforderungen an Architektur, Innenraumgestaltung und Gebäudetechnik. Nachhaltigkeit muss deshalb immer auch aus der Perspektive der Menschen gedacht werden, die in diesen Räumen arbeiten.
4. Bestand hat Zukunft: Weiterdenken statt neu bauen
Besonders spannend finde ich die Frage, wie wir mit bestehenden Gebäuden umgehen. Die Zukunft der Arbeitswelten muss nicht immer auf der grünen Wiese entstehen.
Alte Gebäude, Hallen oder Verwaltungsbauten können durch intelligente Konzepte eine neue Nutzung und Identität bekommen. Der Bestand bringt Herausforderungen mit sich, bietet aber auch Charakter und Geschichte.
Die nachhaltigste Lösung ist nicht automatisch die neueste. Manchmal liegt die eigentliche planerische Qualität darin, Bestehendes weiterzuentwickeln, statt es zu ersetzen.
5. Das vermessene Büro: Daten brauchen Vertrauen
Sensorik und Gebäudedaten können helfen, Räume besser zu nutzen. Sie zeigen, welche Flächen tatsächlich gebraucht werden, wo Überkapazitäten bestehen und wie Energie effizienter eingesetzt werden kann.
Gleichzeitig müssen wir sehr genau unterscheiden: Messen wir Räume oder beobachten wir Menschen?
Technologie kann die Qualität von Arbeitsumgebungen verbessern. Sie darf aber nicht dazu führen, dass Mitarbeitende sich kontrolliert fühlen. Transparenz und Vertrauen sind deshalb genauso wichtig wie die technische Lösung.
6. Ruhe ist das neue Statussymbol: Konzentration braucht Raum
In einer Arbeitswelt voller Nachrichten, Meetings, Chats und permanenter Erreichbarkeit wird ungestörtes Arbeiten immer wertvoller.
Konzentration ist keine reine Frage der persönlichen Disziplin. Sie braucht passende Rahmenbedingungen. Dazu gehören akustisch wirksame Lösungen, Rückzugsmöglichkeiten und eine bewusste Planung unterschiedlicher Arbeitsbereiche.
Nicht jedes Büro muss still sein. Aber jedes Büro sollte Stille als Option bieten.
7. Wenn Wissen in Rente geht: Erfahrung sichtbar machen
Mit erfahrenen Mitarbeitenden verlässt häufig auch wertvolles Wissen eine Organisation. Vieles davon steht in keinem Handbuch: Kundenkenntnisse, Erfahrungswerte, Zusammenhänge und das Wissen darum, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden.
Technologie kann helfen, Wissen zu dokumentieren und zugänglich zu machen. Sie kann aber nicht automatisch die Erfahrung und das Urteilsvermögen eines Menschen ersetzen.
Auch hier braucht es Begegnung: Räume für Tandems, Projektarbeit und den Austausch zwischen Erfahrung und Neugier.
Vom Raum zur Beziehung: Was ein guter Arbeitsplatz leisten muss
Das übergeordnete Thema der ORGATEC 2026 – „From Rooms to Relationships: Designing Spaces in an Ever-Changing World“ – bringt für mich einen wesentlichen Gedanken auf den Punkt.
Der Arbeitsplatz ist längst mehr als ein Ort, an dem Schreibtische, Stühle und Schränke stehen. Er ist ein Ort der Begegnung, der Zusammenarbeit und der Identifikation. Er kann Unternehmenskultur sichtbar machen und dazu beitragen, dass Menschen sich mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen.
Gerade in einer Arbeitswelt, die von hybriden Modellen, Digitalisierung und einem stetigen Wandel geprägt ist, muss das Büro einen klaren Mehrwert bieten. Es sollte einen Grund geben, zusammenzukommen – und dieser Grund ist häufig der persönliche Austausch.
Dafür braucht es unterschiedliche räumliche Angebote: Bereiche für konzentriertes Arbeiten, Orte für Kommunikation und spontane Begegnungen, Räume für Workshops und kreative Zusammenarbeit sowie Rückzugsmöglichkeiten und eine gute akustische Qualität.
Ein gutes Workplace-Konzept verbindet diese Anforderungen miteinander. Es berücksichtigt die Unternehmenskultur ebenso wie die konkreten Arbeitsabläufe und die Bedürfnisse der Mitarbeitenden.
Die zentrale Herausforderung ist dabei, nicht einfach möglichst viele Funktionen in eine Fläche zu packen. Es geht darum, die richtigen Angebote zu schaffen – passend zu den Menschen, den Aufgaben und der jeweiligen Organisation.
Was bleibt: Gute Ideen entstehen zwischen Menschen
Wie immer waren die Messetage anstrengend. Viele Eindrücke, zahlreiche Gespräche, unterschiedliche Perspektiven und wenig Zeit zum Durchatmen. Aber es war eine gute Anstrengung – eine, bei der man am Ende des Tages müde ist und gleichzeitig das Gefühl hat, etwas mitgenommen zu haben.
Ich fahre mit neuen Inspirationen, spannenden Gedanken und konkreten Ideen nach Hause. Besonders schön ist für mich dabei das Gefühl, in einer Branche unterwegs zu sein, in der persönliche Beziehungen, Herzlichkeit und gegenseitige Wertschätzung einen so hohen Stellenwert haben.
Vielleicht war die ORGATEC 2026 kleiner als gewohnt. Für mich war sie trotzdem eine sehr lohnende Veranstaltung. Nicht unbedingt wegen der Größe der Messe, sondern wegen der Qualität der Begegnungen und Gespräche.
Wir haben viel miteinander diskutiert, neue Perspektiven entwickelt und Strategien für die Zukunft besprochen. Das ist für mich ein wesentlicher Wert solcher Veranstaltungen: Sie bringen Menschen zusammen, die nicht nur über die Gegenwart sprechen, sondern gemeinsam an der Zukunft arbeiten wollen.
Die Messe hat mir außerdem gezeigt, wie eng Gestaltung, Technologie, Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur inzwischen miteinander verbunden sind. Die Zukunft der Arbeitswelt lässt sich nicht mehr aus einer einzelnen Perspektive erklären. Sie braucht einen ganzheitlichen Blick – und den Mut, auch unbequeme Fragen zu stellen.
Denn vielleicht müssen wir tatsächlich aufhören, die Kutsche immer weiter zu optimieren, wenn das Automobil längst vor der Tür steht.
Die Zukunft der Arbeit beginnt nicht beim Möbel. Sie beginnt mit der Frage, wie wir arbeiten wollen – und welche Räume, Beziehungen und Rahmenbedingungen wir dafür brauchen.
