Am 22. Oktober hatten wir ein volles Haus in unserem Eventspace in Wiesbaden. Aus People & Culture sowie Team- und Bereichsleitung sind unserer Einladung zum HR Summit Wiesbaden spannende Menschen gefolgt. Unser Motto: Die Zukunft arbeitet anders.
Wir hatten uns etwas Bestimmtes vorgenommen. Kein Theorie-Tag mit Buzzwords, sondern ein Tag, von dem man etwas mitnimmt, das am Montag im eigenen Unternehmen hilft. Denn KI verändert gerade jede Führungsrolle, und das Handbuch dazu hat uns allen niemand gegeben. Rollen verschieben sich, Teams werden unsicher, und gefühlt kommt jede Woche ein neues Tool dazu.
Ich möchte hier teilen, was ich von diesem Tag mitgenommen habe. Und ich möchte mich vorab bei allen bedanken, die ihn möglich gemacht haben: bei unseren Speakern, bei unseren Partnern Wilkhahn, NieOhneKI, elevate und HelloAgile, bei meinem Team und bei allen, die mitdiskutiert haben.
Vier Keynotes, vier Blickwinkel
Was mir an diesem Programm besonders gefallen hat: Alle vier Vorträge haben dieselbe Frage gestellt, aber aus völlig unterschiedlichen Richtungen. Wie gestalten wir Arbeit, wenn KI mitarbeitet?
Zum Start durfte ich selbst mit „Raum, Mensch & KI“ auf die Bühne. Dazu gleich mehr.
Simon Busshart, Gründer von fluesta und KI-Berater, hat uns zum „Arbeitsplatz 2030“ mitgenommen. Simon baut Unternehmen mit KI auf und sieht täglich, was funktioniert und was nicht. Mit fluesta zeigt er übrigens auch selbst, wie konkret das werden kann: Man spricht, und der Text landet direkt dort, wo man ihn braucht.
Jessica Turner, Unternehmerin, Investorin und Autorin, hat nach der Kaffeepause darüber gesprochen, wie KI im Alltag wirklich ankommt.
David Hillmer, Gründer und Geschäftsführer von Hello Agile, hat den Tag mit „KI & Führung in der Praxis“ abgeschlossen.
Mitreden statt nur zuhören
Vorträge geben Impulse. Aber die eigentlichen Antworten entstehen im Gespräch. Deshalb hatten wir zwei Formate eingeplant, in denen nicht die Bühne im Mittelpunkt stand, sondern die Menschen im Raum.
Im Worldcafé am Mittag haben wir in einem Speed Brainstorming über die wichtigsten Herausforderungen in den vier verschiedenen Bereichen gesprochen und jeder hat seine Erfahrung geteilt. Zauberhaft!
Zum Abschluss des Tages haben wir im Panel „Arbeitsplatz 2030“ die Fäden zusammengeführt.
Und ehrlich gesagt waren auch die Pausen ein wichtiger Teil des Programms. Beim Mittagessen, in den Kaffeepausen und während der Führung durch die wunderbaren Showroom von Schumm und Rösch haben sich Menschen kennengelernt, die vor der Frage stehen, die uns alle beschäftigt: Wie führe ich mein Team durch diesen Wandel, statt ihm hinterherzulaufen?
Raum, Mensch & KI: Fünf Spannungen, fünf Chancen
In meinem Vortrag ging es um eine Frage, die in vielen KI-Diskussionen fehlt: Was passiert eigentlich mit unseren Räumen, wenn die KI mitarbeitet?
Meine These lautet: Die KI übernimmt Geschwindigkeit, der Mensch übernimmt Bedeutung. Vertrauen aufbauen, Konflikte klären, junge Menschen ausbilden, Entscheidungen verantworten – all das bleibt bei uns. Und all das braucht Orte. Das Büro verliert seine alte Rolle als Ort, an dem Dinge erledigt werden, und wird zum Ort für das, was nur Menschen miteinander können.
Darin liegt eine große Chance. Wenn jedes Unternehmen dieselben KI-Tools kaufen kann, unterscheidet sich ein Arbeitgeber nicht mehr durch seine Software, sondern durch das, was Menschen erleben, wenn sie zusammenkommen. Raum und KI werden gemeinsam zum Talent-Magneten. Aber nur, wenn man sie in einer Strategie zusammendenkt.
Auf dem Weg dorthin gibt es fünf Spannungen, die ich auch in meinem Trendreport 2027 beschrieben habe:
Schneller arbeiten, ohne das Lernen zu verlieren. Die KI erledigt heute genau die Aufgaben, an denen Berufseinsteiger früher gelernt haben. Gleichzeitig geht mit jeder erfahrenen Kollegin im Ruhestand ein ganzes Archiv. Die Antwort: Das Büro wird zur Lernwerkstatt, mit Orten für Mentoring und Tandems.
KI nutzen, ohne Verantwortung abzugeben. KI-Agenten übernehmen ganze Aufgabenketten. Wer darf was entscheiden? Das ist keine Technik-, sondern eine Organisationsfrage. Je mehr unsichtbar im Hintergrund läuft, desto wichtiger werden Räume für gemeinsame Entscheidungen.
Sprechen statt tippen. Hier knüpfe ich gern an Simon an: Wer diktiert, ist ungefähr dreimal so schnell wie beim Tippen. Wenn bald alle im Büro mit ihrem Rechner sprechen, muss sich entweder die Kultur ändern oder der Raum mitziehen. Realistisch braucht es beides: gemeinsame Regeln und eine Akustik, die Sprechen und Stille gleichermaßen möglich macht.
Daten nutzen, ohne Vertrauen zu verspielen. Sensoren zeigen, welche Räume fehlen und welche leer stehen. Oft braucht ein Unternehmen nicht mehr Fläche, sondern die richtige. Entscheidend ist aber die Frage: Messen wir Räume oder Menschen? Vertrauen entsteht nur durch Offenheit.
Begegnung schaffen und trotzdem Ruhe ermöglichen. Die eigentliche Überlastung findet im Kopf statt. Ruhe ist deshalb das neue Statussymbol. Nicht jedes Büro muss still sein, aber jedes braucht Stille als Option.
Was bleibt: Mut zum Automobil
Ich habe meinen Vortrag mit einem Bild begonnen, das mich seit Monaten begleitet. Wir sitzen um eine Kutsche herum und diskutieren über weichere Polster und größere Fenster. Gute Fragen. Nur steht zwei Straßen weiter längst das Automobil.
Genau so fühlen sich viele Debatten über die Zukunft der Arbeit an. Wir sprechen über Sitzsäcke, Homeoffice-Quoten und Benefits, während sich gerade verändert, wie Arbeit überhaupt entsteht. Für mich war das die schönste Erkenntnis dieses Tages: Im Raum saßen Menschen, die über das Automobil sprechen wollten. Die KI gibt uns Zeit zurück. Wie wir sie nutzen, entscheiden wir. Und der Raum entscheidet mit.
Lass uns weiterreden
Wer nicht dabei sein konnte oder weiterdenken möchte, dem gebe ich gern die fünf Fragen mit, mit denen ich meinen Vortrag beendet habe:
- Wo lernen bei uns die Jungen von den Erfahrenen, und gibt es dafür einen Ort?
- Wer entscheidet, was eine KI allein erledigen darf, und wo entscheiden wir gemeinsam?
- Was passiert in unseren Räumen, wenn morgen alle diktieren?
- Wissen unsere Mitarbeitenden, welche Daten unser Gebäude sammelt und wofür?
- Wo kann bei uns jemand eine Stunde ungestört denken?
Wenn du beim Beantworten merkst, dass euer Raum noch nicht zu eurer Arbeitsweise passt, sprich mich gerne an. Gemeinsam planen und gestalten wir Arbeitswelten, die Zukunft, Kultur und Wachstum verbinden. Und am Anfang stehen bei mir immer Fragen, nie Möbel.
Danke an alle, die diesen Tag mit uns gestaltet haben. Ich freue mich schon auf die nächste Runde.
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