Die Ambiente in Frankfurt gilt als internationale Leitmesse für Konsumgüter, Design und Lifestyle. Für mich stellt sich dort jedoch jedes Jahr eine ganz konkrete Frage:
Was bedeutet das alles für die Zukunft unserer Arbeitswelten?
Mein Besuch zur Eröffnung der Ambiente 2026 war inspirierend, vielschichtig – und in Bezug auf das Thema Office zugleich ambivalent. Zwischen mutigen Designexperimenten, nachhaltigen Materialinnovationen und den kuratierten Trends 26+ zeigte sich eine deutliche Diskrepanz: Während viele Bereiche kraftvoll nach vorne denken, bleibt die Office-Welt erstaunlich zurückhaltend.
Früher Start, starke Talente und flexible Systeme
Schon beim Öffnen der Tore war spürbar, dass diese Messe Energie hat. Junge Designer präsentierten Arbeiten, die experimentell, nachhaltig und konzeptionell stark sind.
Besonders beeindruckt haben mich modulare Systeme, die mit Magneten arbeiten – Elemente, die sich intuitiv verbinden lassen, flexibel bleiben und räumliche Strukturen neu definieren. Solche Ansätze sind hochrelevant für moderne Arbeitsumgebungen: Flexibilität, Wandelbarkeit und einfache Reorganisation gehören heute zu den Kernanforderungen von Bürokonzepten. Siehe dazu auch meinen Trend “Magneträume”
Genau hier liegt auch ein wichtiger Aspekt, der in Zukunft stärker berücksichtigt werden muss: Neurodiversität. Arbeitsräume sollten so gestaltet sein, dass unterschiedliche Wahrnehmungs- und Denkweisen berücksichtigt werden – durch klare Strukturen, differenzierte Rückzugsbereiche, akustische Qualität und visuelle Ruhe. Gestaltung kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.
Trends 26+: Brave, Light und Solid als Spiegel unserer Zeit
Die kuratierten Ambiente Trends 26+ zeigen drei zentrale Strömungen, die viele gesellschaftliche Entwicklungen aufnehmen.
Brave – Mut zur Haltung
„Brave“ steht für expressive Gestaltung, Kontraste und narrative Elemente. Materialien werden kombiniert, Grenzen überschritten, Gestaltung wird Statement.
Übertragen auf das Büro heißt das: Arbeitswelten dürfen Identität zeigen. Markenräume werden emotionaler. Räume werden zum Erlebnis – nicht nur zum funktionalen Arbeitsplatz.
Gerade im Wettbewerb um Talente und im Kontext von Unternehmenskultur ist das ein entscheidender Faktor.
Light – Leichtigkeit und Klarheit
„Light“ wirkt offen, transparent und beruhigend. Helle Farbwelten, weiche Übergänge und eine reduzierte Ästhetik schaffen mentale Entlastung.
Für Bürogestaltung bedeutet das: Räume, die Orientierung geben und gleichzeitig Offenheit ermöglichen. Licht, Akustik und Materialität werden bewusst eingesetzt, um Konzentration und Wohlbefinden zu fördern.
In Zeiten hybrider Arbeit und Individualität braucht es genau diese Balance zwischen Struktur und Leichtigkeit.
Solid – Beständigkeit, Modularität und Verantwortung
„Solid“ setzt auf langlebige Materialien, klare Geometrien und nachhaltige Konzepte. Es geht um Substanz statt kurzfristiger Effekte.
Dieser Trend deckt sich stark mit meiner eigenen strategischen Veränderungen im Beratungsprozess. Ich habe meine Herangehensweise für den Kunden bewusst Richtung Modularität, Flexibilität und Nachhaltigkeit gestaltet – genau so, wie Arbeitswelten heute gedacht werden müssen.
Und wo bleibt die Transformation im Office-Bereich?
So inspirierend die Trendareale waren – die explizite Präsenz von Bürogestaltung war überraschend gering.
Das Office Roxx-Forum bot in diesem Jahr zwar einen thematischen Anlaufpunkt, wirkte jedoch atmosphärisch eher klassisch. Inhaltlich relevant – gestalterisch jedoch wenig radikal.
Hier zeigt sich für mich eine deutliche Ambivalenz:
•Auf der einen Seite visionäre Materialien, mutige Farbbilder und innovative Designansätze.
•Auf der anderen Seite eine Office-Welt, die noch stark funktional und vorsichtig wirkt.
Warum transformiert sich diese Branche nicht sichtbarer?
Warum geht sie nicht mutiger und innovativer nach vorne – gerade jetzt, wo sich Arbeitsmodelle fundamental verändern?
KI und Kreativität: Beschleuniger statt Bedrohung
Ein besonders inspirierender Moment entstand in einem Gespräch über künstliche Intelligenz und Kreativität mit einem Entscheider der Büromaterialbranche.
Die spannende These: Je mehr KI Routinen übernimmt, desto größer wird der Raum für menschliche Kreativität.
Diese Beobachtung deckt sich vollständig mit meinen Erfahrungen in der Bürobranche. Unternehmen brauchen heute keine starren Flächenkonzepte mehr – sie brauchen Räume für Austausch, Innovation und Identität.
Genau deshalb treibe ich dieses Thema aktiv voran. KI verändert Prozesse. Aber Räume müssen Kreativität ermöglichen. Und das ist eine Gestaltungsaufgabe.
Ein Seismograph für viele Entwicklungen – aber nicht für alle
Die Ambiente ist ein kleiner Seismograph für viele gesellschaftliche und gestalterische Entwicklungen – keinesfalls für alle. Sie zeigt Materialinnovationen, Farbstimmungen und kulturelle Verschiebungen frühzeitig auf.
Doch gerade die Arbeitswelt, die sich in einem massiven Umbruch befindet, könnte noch stärker als Innovationsfeld sichtbar werden.
Vielleicht liegt die eigentliche Zukunft der Bürogestaltung genau darin, Mut, Leichtigkeit und Beständigkeit zusammenzuführen – und diese konsequent in Arbeitswelten zu übersetzen.
Fazit: Die Zukunft der Arbeitswelt entsteht nicht von allein
Die Ambiente 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, welches gestalterische Potenzial vorhanden ist. Inspiration ist reichlich da.
Transformation jedoch entsteht nicht automatisch.
Ich bin überzeugt: Die Zukunft der Arbeitswelt braucht Mut zur Veränderung, klare Konzepte und nachhaltige Strukturen. Genau das bringe ich gemeinsam mit meinem großartigen Team täglich in Projekte ein – mit Leidenschaft, Erfahrung und dem festen Glauben daran, dass gute Arbeitsräume einen echten Unterschied machen.
Und vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, den nächsten Schritt mutiger zu gehen.
Future Workspace Trends

