Nun habe ich mich doch entschlossen, die Chinareihe zu unterbrechen. Für die, für die Asien nicht so interessant ist, sollte es ja nicht langweilig werden. 

Seit einigen Wochen beschäftigt mich das Thema Bauhaus mal wieder und ich finde die vielen Parallelen, die es zu „gutem neuen Arbeiten“ gibt, wirklich faszinierend. Dazu habe ich euch heute einen Text mitgebracht:

BAUHAUS meets NEW WORK   

In diesem Jahr feiern wir 100 Jahre Bauhaus. Wenn man sich ein wenig mit diesem Thema beschäftigt, sieht man in allen Medien Berichte dazu, es finden deutschlandweit viele Ausstellungen und spannende Vortragsveranstaltungen statt. Mich freut das sehr, da ich das Thema schon immer spannend finde und ich hoffe, dass ich noch einige Highlights dazu in diesem Jahr erleben kann. Dann werde ich selbstverständlich hier berichten. 

Mein Herzensthema New Work hat so viele Parallelen zum Bauhaus, dass ich am Anfang, als ich mich damit beschäftigt habe, fast erschrocken war. Einige dieser Einsichten möchte ich heute gerne mit euch teilen. 

Zunächst einmal hat das Bauhaus die Welt komplett verändert und trotz der nur 14 Jahre seiner Existenz, nachhaltig beeinflusst. Das Bauhaus hat damit zunächst die Struktur der Kunstschule komplett verändert. Genau so, wie neues Arbeiten heute unserer Arbeitswelt grundlegend verändert. Eine absolut neue Sichtweise auf die Dinge wohnt beiden Bewegungen inne. Mir gefällt für New Work seit einiger Zeit die Definition der Bewegung. Auch das Bauhaus hat sich als Bewegung verstanden. Es ist entstanden durch die Menschen, die es nach vorne getrieben haben. Hier gibt es so viele bekannte Namen, deren Liste viel zu lang wäre, um sie komplett aufzuführen. Es seien aber Walter Gropius, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Mies von der Rohe, Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger genannt. 

Die Gründer des Bauhauses mussten von Anfang an gegen starke Vorurteile kämpfen. Ich erlebe jeden Tag Vorurteile gegen den Bereichen New Work und die Menschen, die sich dafür einsetzen. Zum einen finden sich die, die mit New Work Kicker, Obstkorb und Warmduscher verbinden. Zum anderen finden sich die, die Buzzword-Bingo mit dieser Bewegung betreiben. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich schlimmer finde. Beides ist auf jeden Fall nicht der Sinn der Bewegung  von New Work. So ähnlich ging es den Bauhäuslern zu ihrer Zeit. Sie wurden für Ihre durchgeknallten Ideale, ihre Freizügigkeit und ihre Rebellion verachtet, nur weil sie neue Wege gegangen sind. Das sehe ich auch im Bereich New Work. Es wird sogar zum Teil darüber gelacht, dass Firmen eine 4Tage-Woche, keine Urlaubsbeschränkungen oder völlig freies Arbeiten anbieten. Für viele traditionelle Manager ist dies völlig unverständlich. Aber muss man nicht immer neue Wege gehen und die Autobahn verlassen. Auf den Trampelpfaden erst entdeckt man doch wirklich neue Dinge, oder?

Die Bewegung Bauhaus hat sich durch alle Lebensbereiche, von Wohnen über Arbeiten und Produktion gezogen. Auch hier sehe ich eine große Parallele zur neuen Arbeitswelten. Kürzlich habe ich bei einer Konferenz über „Arbeitswelt wird Lebenswelt“ gesprochen. Da die Welt sehr individuell wird, kann sich jeder überlegen, wie er dazu steht. Ein Best-Practice dazu gibt es nicht, aber man kann beide Welten verbinden oder strikt auseinanderhalten – ganz nach Gusto. Klar ist aber, dass diese neue Philosophie des individuellen, des Sinn stiftenden Arbeitens und Lebens sich auch in der heutigen Zeit durch alle Lebensbereiche zieht.

Ich habe Einiges gelesen über die bahnbrechenden Fusionen aus Kunst, Handwerk und Technik am Bauhaus. Aus dieser Symbiose ist das Bauhaus eigentlich erst entstanden. Dies hat mich sofort erinnert an Designthinking-Methoden, die wir seit einigen Jahren immer mehr einsetzen. Für mich ist das alter Wein in neuen Schläuchen . Aber auch hier fließen ganz viele Dinge zusammen. In vielen neuen Methoden oder aktuellen Methoden, geht’s darum, aus verschiedenen Sichtweisen interdisziplinär auf Dinge/Probleme/Themen zu schauen. Ähnlich hat sich am Bauhaus diese Philosophie durch alle Disziplinen gezogen: Durch die Malerei, die Bildhauerei, die Möbel, das Theater, den Film bis hin zu den Töpferstücken, die man heute als Bauhaus Produkte in vielen Museen  der Welt bewundern kann.

Ganz grundlegend haben aktueller Kulturwandel und der Bauhausgedanke einiges gemeinsam: Viel Idealismus, ein großes Stück Mut und der Wille, neue Wege zu gehen. Man könnte an dieser Stelle auch über Disruption oder digitale Transformation sprechen. Ich finde aber, dass dieser Sprech den Gedanken des Bauhauses ein wenig entzaubert.

Ich denke, dass wir ganz viele kreative Menschen in Deutschland haben, die Dinge rund um Arbeit verändern wollen. Genau so war es beim Bauhaus. Darum möchte ich gerne Adolf Meyer, Paul Peter Behrens, Johannes Itten, Georg Muche, Karl Schmidt-Rottluff, Lazlo Mohogly-Nagy , Marianne Brandt, Grunow und Josef Albers nennen, die in dieser Zeit kreativstes geleistet haben. Sie haben Gestaltung neu gedacht, so wie wir in New Im Moment spricht man das den Newwark Experten ab aber ich denke, dass wir hier ganz viele kreative Menschen in Deutschland haben, die Dinge verändern wollen. Genau so war’s beim Bauhaus darum möchte ich gerne Adolf Meyer, Park Peter Behrens, Johannes Itten, Mauli Nadi, Marianne Brandt, Marcel Breuer und Josef Albers nennen, die in dieser Zeit Kreativstes geleistet haben. Und es gab noch viele mehr. Sie haben Gestaltung neu gedacht, so wie wir in New Work heute Arbeit neu denken müssen. Neu denken klingt leider zu einfach. Ich lese im Moment überall, dass wir erst „entlernen“ müssen, bevor wir Neues lernen können. Dies ist aber ein weiteres Thema, mit dem ich mich noch gemeinsam mit euch gerne in Zukunft beschäftigen würde.

Zurück zum Bauhaus: Auch das Ziel, was die Menschen Anfang des 19. Jahrhunderts verfolgten war ein ähnliches, wie das was wir alle jetzt mit „Neuem Arbeiten“ verfolgen, nämlich für die bessere Zukunft des modernen Menschen einstehen. Genauso wie der New Work-Bewegung wurde der Bauhausbewegung sehr viel Skepsis entgegen gebracht und damit wurden viele outcomes, die die Aktivitäten des Bauhauses herausgebracht hat, erst sehr viel später sichtbar.

Ich finde auch die Attribute, mit der Bauhausaktivitäten beschrieben werden sehr passend für Kulturwandel heutzutage. Atribute wie: freigeistig, chaotisch, radikal, schnell, revolutionär, passen doch ganz gut, oder? Das Ziel des Bauhauses war immer die Gesellschaft zu beeinflussen und Visionen nach vorne zu bringen. Dafür benötigt man Visionäre  – und das benötigen wir bzgl. New Work genauso. Wie oft komme ich mir vor, als ob ich gegen Windmühlen kämpfen. So muss sich auch Gropius gefühlt haben – ohne mich natürlich mit Walter Gropius vergleichen zu wollen.

Schauen wir mal in die Details Der Arbeitsweisen am Bauhaus. Interdisziplinäres Denken und Arbeiten, das war das, was das Bauhaus von Beginn an ausmachte. Wo die Bereiche aus Kunst, Handwerk und Technik verschmolzen sind. Erinnert dich das an was? Ist es nicht so, dass in Design Thinking das gleiche stattfindet, wo wir aus verschiedenen Disziplinen auf den Nutzer schauen? Ich finde das hat eine sehr ähnliche Richtung.

Und last but not least finde ich, ist der Tiefgang ein ähnlicher. Geht es nicht um die essenzielle Frage: Wie wollen wir wirklich wirklich arbeiten? Das hat zumindest Frithjof Bergmann gesagt. Beim Bauhaus ging es darum, wie wollen wir wirklich wohnen, wie wollen wir wirklich leben. Spannend oder? Und dann noch ein Punkt, der mir aufgefallen ist: Beim Bauhaus ging es ganz stark um Technisierung, profanerweise darum, wie eine Küche mit modernen Geräten und Technik ausgestattet werden kann, um der Hausfrau das Leben leichter zu machen. Ganz interessant hier zum Beispiel die Frankfurter Küche. Und wie sieht es heute im Bereich von Culture Change aus? Ist es nicht so das Künstliche Intelligenz immer mehr an Bedeutung gewinnen und uns Angst machen? Aber ist es nicht auch so, das wir dadurch gewinnen? Das Abarbeiten von Standardaufgaben in Zukunft nicht mehr so wichtig eine wird. Aber Empathie relativ dazu, viel wichtiger wird? Ist es spannender so zu arbeiten?

Ich habe so viele Bücher und Artikel zum Thema Bauhaus gelesen, die mich immer wieder inspiriert haben auch der Film „Lotte am Bauhaus“ ist wirklich sehenswert. Es gibt in diesem Jahr noch viele Ausstellungen zur Bauhausthematik in allen möglichen deutschen Museen. Schau Dir was an!

Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren und vielleicht besuchst du die ein oder andere Veranstaltung dazu. Ich freue mich auf Feedbecks – gerne direkt auch an meine mail: s.Busshart@sbcdigital.de

P.S. Die Fotos habe ich übrigens bei der Ausstellung “Moderne am Main” in Frankfurt gemacht.