Ich würde gerne einmal die Frage beleuchten, warum gutes neues Arbeiten so polarisiert betrachtet wird. Für die einen scheint es wirklich der Allheilbringer zu sein. Jeden Tag wird eine neue “Sau durchs Dorf getrieben” und man überlegt sich jeden Tag etwas Neues, um die Arbeit zu verbessern bzw. attraktiver zu machen.

Auf der anderen Seite höre ich Aussagen wie “Scheißhaus-Parole“ und …”man sollte doch besser wieder Stechuhren einführen und diesen ganzen teuren New Work-Schnickschnack vergessen”.

 

New Work: Warum tut sich so wenig?

Einige der Fragen, die mir die Gegner von New Work stellen, kann ich durchaus nachvollziehen. Oder zumindest zum Teil. Ganz klar ist, dass New Work Geld kostet. Es muss ein Budget geben, die Menschen, die sich damit beschäftigen, müssen die Zeit freischaufeln, Berater müssen engagiert werden und es muss zunächst einmal ein Konzept/eine Strategie her. 

Und dann ist noch die Frage, wo überhaupt ein solches Projekt initiiert wird. Kommt es von oben oder ist es eine so genannte Graswurzel-Bewegung, die von den Mitarbeitern gestartet wird. Muss es, weil es die Mitarbeiter betrifft, von HR kommen oder, weil es die digitale Transformation tangiert, aus der IT-Abteilung oder vielleicht von allen zusammen? Egal von wem es kommt, es wird erst einmal neben dem Alltagsgeschäft verortet und das macht es oft schwierig.

 

Kommunikation als Herzstück im Changeprozess

Und dann wäre ja noch die Kommunikation, die 60 % eines Changeprozesses ausmacht. Und jeder New Work-Projekt, was angestoßen wird, ist ein Change Prozess.

Man muss den Mitarbeiter vorher mitnehmen, man muss ihn durch den Prozess führen und man sollte später immer wieder vorleben und justieren – das kostet Kraft. Oft fehlen im Unternehmen die Botschafter, die die Informationen positiv ins Unternehmen verstärken. Ganz oft hemmt auch die lange Verweildauer im Unternehmen und der niedrige Anteil der Digital Natives. Aber dies wäre ein weiteres großes Thema.

Eines der größten Hemmnisse bei solchen Projekten scheint wirklich in der deutschen Mentalität begründet zu liegen. Die Angst vor Veränderung, sehr viel Perfektionismus und eine weiterhin nicht funktionierende Fehlerkultur.

Gehen wir einmal in die Details: Ist es wirklich auf Dauer so viel spannender auf einem Sitzsack zu sitzen oder dann doch lieber auf einem 1000€ teuren Bürostuhl? Ist es wirklich eine Diskussion zwischen Laptop im Park auf dem Schoß und höhenverstellbaren Tisch am Arbeitsplatz? Ich glaube nicht.

Für viele New Work-Vertreter in meinem Dunstkreis ist das bestehende Mindset eines der schwerwiegendsten Hemmnisse, wenn es um den Kulturwandel geht. 

Ich kann aus Erfahrung sagen: Ich hatte noch einen Chef, der ein Poster an der Wand hängen hatte, was lautete: „Geteilte Macht ist halbe Macht“. 

Viele der Führungskräfte in den Chefetagen deutscher Konzerne sind noch mit dem Spruch: „Mein Haus, mein Boot, mein Auto“ aufgewachsen. Da ist wohl Vieles hängen geblieben. 

Aber ich finde, man muss auch die Menschen verstehen, die es schon weit gebracht haben: Möchte irgendjemand wirklich die Karriere, die er 30 Jahre lang mühsam aufgebaut hat, einfach hinter sich lassen? Nur weil plötzlich alle nach gutem neuen Arbeiten schreien? Ich glaube hier muss man verschiedene Perspektiven einnehmen, um das Thema besser zu verstehen.

 

  Die große Gefahr besteht darin nichts zu tun

Dennoch glaube ich, dass die Bedrohung viel größer ist, wenn man nichts tut. New Work als Buzzwort zu verharmlosen bringt uns keinen Schritt weiter. Und es nimmt schon gar nicht die Angst, die ein solches großes Thema im täglichen Wandel der Unternehmen für die Mitarbeiter darstellt.

Mitarbeiter, wie Führungskräfte und ganze Unternehmen haben Muster über Jahre und Jahrzehnte gelernt. Wir alle wissen, dass Entlernen viel länger dauert als Lernen selbst. Den ersten Schritt zu machen und einen Pfad zu trampeln ist viel aufwändiger, als einfach auf der großen Autobahn zu fahren.

Die große Kunst wird sein, zu entscheiden, wo Struktur benötigt wird oder wo nicht. Wo es Hierarchien braucht und wo sie hinderlich wären. Wo man Dinge entlernen muss und an welcher Stelle man seinen Arbeitsplatz neu gestalten kann. Zwischen Holokratie und alten Hierarchien gibt es viele Mittelwege. Darüber sollte man gut nachdenken. Was ich aber auf jeden Fall als unumstößlich ansehe ist, dass man den Menschen in den Mittelpunkt stellt, sowohl auf Kunden- wie auch auf Mitarbeiterseite.

 

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